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Montag, 2. Oktober 2017

Werbung ist böse (oder doch nicht?)

Dieser Beitrag soll nur mal etwas zum Denken anregen (aus dem Blickwinkel einer kleinen Independent Software-Klitsche und dem dahinterstehenden Kopf).

Richtig diskutieren kann man das Thema leider nicht, da die Positionen zu unterschiedlich sind und man sich - je nach eigener Sichtweise - sehr häufig in Grabenkämpfen verstricken wird.

Daher wäre es gut, den Beitrag erst einmal unvoreingenommen zu lesen oder das Weiterlesen am besten sein zu lassen.

Und ja, natürlich gibt es einen Anlass dieses Thema in meinem Blog aufzugreifen (unter anderem der Vorwurf eines Lesers, der sich daran störte, dass dieses Blog bzw. meine Webseite von ein, zwei kleineren Werbebannern vereinnahmt würde)

Eingebettete Werbebanner


Mal folgende Prämissen aufgeworfen (die ich aber nicht unbedingt teile!):

  • Werbung auf Webseiten ist (meistensevil.
  • Werbung auf kleinen Webseiten, die Software vertreiben, ist total bäh!
    (überhaupt, um Software die was kostet, sollte man einen großen Bogen machen :-) )
  • Werbung auf großen (Nachrichten)-Webseiten ist dann nicht mehr ganz so übel
    (schließlich müssen die Verlage ja von etwas leben und die achso teuren Online-Journalisten müssen auch bezahlt werden).
  • Geschaltete Werbebanner auf privaten Blogseiten sind dann wieder okay, schließlich stellen die meisten Blogger ihre Beiträge unentgeltlich der Öffentlichkeit zur Verfügung und das sollte man honorieren
    (außerdem kann man über diese Werbebanner mitunter gute Schnäppchen machen - was anscheinend aber nur für Werbebanner auf jenen privaten Blogs zutrifft :-) ).
  • ...
  • Man könnte an dieser Stelle jetzt noch vieles aufführen.

Halten wir also fest, bei diesem Thema bewegt man sich in einem ganz engen Korridor. Letztlich ist das alles eine Frage der spezifischen Auslegung - also sehr subjektiv - und überhaupt, Moral kann eben auch sehr subjektiv und ein sehr dehnbarer Begriff sein.

Ich will das Thema an dieser Stelle - wie gesagt - nicht überstrapazieren, sondern lediglich ein paar Denkansätze liefern:

Ja, Werbung versucht uns einzulullen, je mehr Werbung auf uns einprasselt, desto sensibler reagieren wahrscheinlich unsere Synapsen, die jene Sinneswahrnehmungen an die zu verarbeitenden Hirnregionen weiterleiten. Letztlich liegt es dann aber doch an uns selbst, ob wir uns von Werbeversprechen vereinnahmen lassen oder nicht -> genauso, wie man nicht zwangsweise zum Misanthropen mutieren muss, bloß weil die schlechten Nachrichten an manchen Tagen überwiegen
Man muss diese Werbebanner ja nicht anklicken, wenn man sie moralisch für verwerflich hält... (get the hint)!

Weshalb Werbung auf großen Webseiten oder bei bestimmten Themen-Blogs eher hingenommen wird, bei kleinen Nischen-Webseiten hingegen oftmals kritisch hinterfragt wird, wird mir dennoch immer ein Rätsel bleiben. 

So 100% independent zu sein, ist heutzutage eben schwer, eine Erfahrung, die übrigens auch viele Independent Labels machen mussten, denn alleine vom Finger im Mund kann niemand leben (natürlich gibt es auch löbliche Ausnahmen).

'Kleines' rechtsseitiges Werbebanner

Das führt dann zu der etwas seltsam anmutenden Situation, dass Blog XY als moralisch integer erachtet wird, wohingegen Blog YX, das nebenbei auch eine spezielle Nischensoftware supported, moralisch verwerflich ist.
Letztlich leisten beide Blogs in etwa das Gleiche, sie bringen Infos - ob nützliche oder nicht sei jetzt mal dahingestellt - unentgeltlich unter die Leute, verfolgen also ähnliche Ziele. Etwas Aufmerksamkeit will übrigens so gut wie jeder Blogger erhaschen, das ist nichts anrüchiges. Und sicherlich gibt es auch Blogs, die primär darauf ausgerichtet sind, Einnahmen - in welcher Form auch immer - zu erzielen (was aber per se auch nicht verwerflich ist, sofern der Informationsgehalt oder der damit einhergehende Spaß stimmt -> über Sinn und Zweck und die Wertigkeit eines Blogs müssen wir an dieser Stelle hoffentlich nicht diskutieren).

Zurück zum eigentlichen Anlass dieses Beitrags:

Wer meint, dass man als Maintainer einer Nischen-Webseite (oder Blogs) mit dem Einbetten einiger weniger Werbebanner reich wird, der glaubt wahrscheinlich auch an den Weihnachtsmann (oder zumindest an den Osterhasen).

Mal davon abgesehen, dass einige Blogdienste frei zur Verfügung stehen, also keine direkten Kosten verursachen, sieht das bei der Unterhaltung einer Webseite schon wieder etwas anders aus. 

Wenn man sich nicht auf eine sehr rudimentäre Webseite beschränkt, wird man a) für die Gestaltung der Webseite Kosten aufwenden müssen - sofern man das nicht in Eigenregie macht - und b) auch das Hosting der Webseite wird etwas kosten (und zwar in Form regelmäßiger laufender Kosten: Quartals- oder Monatsweise zu entrichten).

Diese bösen Werbebanner können also bei kleineren Webseiten - wenn überhaupt - nur dazu beitragen, die Unkosten etwas zu decken (und das auch nur, wenn die Werbebanner überhaupt angeklickt werden, denn das Einblenden alleine bringt in der Regel noch keine Kohle). 

Natürlich kann man jetzt argumentieren, wenn es eh wenig bringt, dann kann man es ja auch sein lassen und auf diese böse Werbung verzichten: Hobbies kosten nun mal Geld und wer das nicht bestreiten kann/will, der soll das Hobby eben komplett aufgeben. Ja, das wäre auch eine Lesart, der man sich anschließen kann oder auch nicht, denn ob das auf Dauer die richtige Lesart ist, das sei mal dahingestellt...

Abschließend will ich anmerken, dass ich niemanden zum Anklicken diverser Werbebanner verleiten will (schon gar nicht in diesem Blog :) ), zumal Google als ein Anbieter solcher Werbebanner sowas - sprich das gezielte Auffordern - gar nicht gerne sieht (die sind diesbezüglich nämlich sehr streng).

Nur sollte man sich als Leser/Besucher einer Webseite oder eines Blogs nicht heiliger geben als es der Papst ist und von vornherein diese bösen Werbebanner* und den Maintainer der Webseite oder des Blogs verdammen. 
Denn auch hier gilt, leben und leben lassen und nicht alles was kostenlos ist, ist auch umsonst (mal sehr frei ausgelegt :) )
Manchmal muss man auch mal über den eigenen Schatten springen und wenn ich auf einer Webseite oder in einem Blog ein für mich interessantes Banner sehe, dann klicke ich das auch schon mal an.

* böse Werbebanner: ja, es gibt Banner, die stoßen mir auch auf, nämlich jene (Ganzseiten) Banner, die sich gezielt über den Inhalt einer Webseite setzen und auch sehr schwer weggeklickt werden können, da der Schließen Button oft bewusst versteckt platziert ist -> von diesen  Rich-Media Bannern spreche ich hier aber bewußt nicht, sondern von kleinen - eher statischen - Bannern, die niemanden wirklich weh tun. Und ja, politischen Bannern bin ich selbstredend auch kritisch gegenüber eingestellt, die haben nämlich auf Webseiten nichts zu suchen, vor allem nicht, wenn die betreffenden Webseiten - wie meine eigene und viele andere auch! - unpolitisch sind.  

Wer diesen Beitrag jetzt als Jammerei erachtet, der sollte noch einmal an den Anfang Zurückscrollen und den Beitrag ein weiteres Mal von vorne lesen. Jammern ist dann doch etwas anderes.

Ich betreibe diesen Blog jetzt seit ca.einem Jahr und - auch wenn die Themenschwerpunkte meines Blogs in der Tat sehr spezifisch sind und nur eine bestimmte Zielgruppe ansprechen dürften - so denke ich, dass die ein oder andere gute Information meinem Blog entnommen werden kann.

Nur kommt es immer mal wieder vor, dass mir vereinzelt unredliche Ziele - oder gar Abzockerei - vorgehalten wird, was an Lächerlichkeit kaum noch zu überbieten ist, ehrlich!
Nachdem ich diesen Sachverhalt mit anderen Bloggern diskutiert habe, die zum einen ähnliche Erfahrungen, zum anderen aber auch gänzlich andere Erfahrungen gemacht haben, kamen wir zu dem Schluss, dass vorallem die Verknüpfung nicht freier Software mit einem Blog ein zentraler Punkt bei der Wertung solcher Bannerfragen zu sein scheint.
Aber das scheint dann auch wieder mit der Größe des Softwareprojektes und des Blogs zu korrelieren: wenn z.B. ein Entwickler, der bei einer großen Firma angestellt ist, nebenbei ein (privates) Blog führt, in dem der ein oder andere Tipp zu 'seiner' Software veröffentlicht wird, dann geht das häufig - trotz eingestreuter Werbung - schon wieder in Ordnung.
Nun, ok, das wäre ein anderes Thema und nein, über böse Kommerzsoftware versus guter freier Software werde ich an dieser Stelle jetzt nicht auch noch sinnieren :-)

Etwas komisch ist das aber schon, denn bei einem reinen Themenblog, das sich z.B. der Vorstellung bestimmter Produkte widmet, wird jene eingebettete Werbung oftmals kritiklos hingenommen. Da werden die besprochenen Produkte gleich mit dem entsprechenden Amazon Kauf-Link versehen und niemand stört sich daran, sondern ist sogar erfreut, dass er im Netz nicht mehr die Suche anwerfen muss.

Halten wir also fest: irgendwelche Synapsen oder Schnittstellen in unserem Kopf scheinen bei der Beurteilung über gut oder schlecht eine sehr große (subjektive) Rolle zu spielen.

Werbung ist also nicht per se böse. Jedenfalls scheint das so, wenn wir uns unser Verhalten mal vor Augen halten. Einer meiner Lieblingssätze gilt also auch hier: alles ist relativ!

Fazit: 

Alles worauf ich hinaus will, ist, dass man das vielleicht mal etwas entspannter sehen und angehen sollte -> sonst macht das Leben nämlich irgendwann keinen Spaß mehr, wenn der eigene Moraldetektor bereits beim kleinsten nichtigen Anlass anschlägt (auch der Blutdruck wird es Einem danken) :-) .

Oder anders gesagt, wenn ich das Haus verlasse, dann bin ich echt froh, keinen Geigerzähler mein Eigen zu nennen, denn ich glaube, das ständige Knirschen dieses Gerätes würde mich nur verrückt machen. :)

Hier mal was zum Entspannen: The Busters - Is It True

Danke fürs Lesen.

To be continued...

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